Ergotherapie in der Psychiatrie
Die Ergotherapie in der Psychiatrie richtet sich an Menschen aller Altersgruppen, die unter psychischen Erkrankungen oder seelischen Krisen leiden. Dazu zählen sowohl Kinder und Jugendliche als auch Erwachsene und ältere Menschen. Behandelt werden psychotische, neurotische und psychosomatische Störungen sowie Suchterkrankungen. Ziel der ergotherapeutischen Arbeit ist es, die Handlungsfähigkeit der Betroffenen in ihrem Alltag zu verbessern, Selbstständigkeit zu fördern und soziale Teilhabe wiederherzustellen.
Zu den Krankheitsbildern, die im ergotherapeutischen Setting behandelt werden, gehören unter anderem psychische Störungen im Kindes- und Jugendalter, bei denen Entwicklungsauffälligkeiten, schulische Probleme oder Verhaltensstörungen im Vordergrund stehen können. Auch neurotische Störungen, Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen, depressive Erkrankungen sowie Schizophrenien oder wahnhafte Störungen zählen zu den häufigen Indikationen. Darüber hinaus arbeiten Ergotherapeuten mit Menschen, die an Essstörungen, affektiven Störungen, dementiellen Syndromen oder einem hirnorganischen Psychosyndrom leiden. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen, etwa im Zusammenhang mit Alkohol, Drogen, Medikamenten oder auch Spielsucht.
Die ergotherapeutischen Maßnahmen sind vielseitig und orientieren sich an den individuellen Bedürfnissen und Zielen der Patienten. Zentral ist die Förderung von Alltagskompetenzen. Dazu gehören grundlegende Fertigkeiten wie Selbstversorgung, Strukturierung des Tagesablaufs, Umgang mit Stress oder die Organisation des eigenen Haushalts. Gleichzeitig werden kreative, handwerkliche oder gestalterische Tätigkeiten eingesetzt, um Selbstvertrauen aufzubauen und emotionale Ausdrucksmöglichkeiten zu erweitern. Durch solche Tätigkeiten erfahren die Patienten Erfolgserlebnisse, die motivierend wirken und zu mehr Eigeninitiative anregen.
Ein weiterer wichtiger Bereich ist das Training sozialer Kompetenzen. Viele psychisch erkrankte Menschen haben Schwierigkeiten im zwischenmenschlichen Kontakt, sei es durch Rückzug, Angst oder aggressives Verhalten. In ergotherapeutischen Gruppen werden daher Kommunikationsfähigkeiten, Konfliktlösungsstrategien und Teamfähigkeit geübt. Auch Rollenspiele und realitätsnahe Übungen helfen, den Umgang mit anderen Menschen zu verbessern und Sicherheit im sozialen Verhalten zu gewinnen.
In der Ergotherapie werden zudem kognitive Funktionen wie Aufmerksamkeit, Konzentration, Gedächtnis und Planungsfähigkeit gefördert. Dies ist besonders relevant bei Patienten mit Schizophrenie, Demenz oder hirnorganischen Störungen. Durch strukturierte Übungen, Spiele oder computergestützte Trainingsprogramme lernen die Betroffenen, ihre geistigen Fähigkeiten gezielt zu stärken.
Bei Suchterkrankungen steht häufig die Entwicklung von Ersatzstrategien im Vordergrund. Patienten lernen, wie sie mit Verlangen, Stress oder belastenden Situationen umgehen können, ohne auf Suchtmittel zurückzugreifen. Auch hier spielen alltagsnahe Aktivitäten und die Einübung neuer Routinen eine große Rolle.
Die Ergotherapie verfolgt dabei stets einen ganzheitlichen Ansatz. Sie berücksichtigt nicht nur die Krankheitssymptome, sondern auch die persönlichen Ressourcen, die familiäre Situation und die Lebensumstände der Patienten. Durch die enge Zusammenarbeit mit Ärzten, Psychologen, Sozialarbeitern und Pflegekräften entsteht ein interdisziplinäres Behandlungskonzept, das individuell angepasst wird.
Ziel ist es letztlich, die Patienten dabei zu unterstützen, wieder mehr Kontrolle über ihr Leben zu gewinnen, Eigenverantwortung zu übernehmen und positive Zukunftsperspektiven zu entwickeln. Ergotherapie in der Psychiatrie leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung, Rehabilitation und Integration von Menschen mit psychischen Erkrankungen.
Die grundsätzlichen Ziele der Ergotherapie in der Psychiatrie sind die Entwicklung, Verbesserung und der Erhalt von:
- Psychischen Grundleistungsfunktionen wie Antrieb, Motivation, Belastbarkeit, Ausdauer, Flexibilität und Selbständigkeit in der Tagesstrukturierung
- Körperwahrnehmung und Wahrnehmungsverarbeitung
- Realitätsbezogenheit von Selbst- und Fremdwahrnehmung
- Situationsgerechtem Verhalten, sozio-emotionalen Kompetenzen und Interaktionsfähigkeit
- Kognitiven Funktionen
- Psychischer Stabilität und von Selbstvertrauen
- Eigenständiger Lebensführung und Grundarbeitsfähig
Im Wesentlichen sind dabei drei Behandlungsansätze von Bedeutung:
Die kompetenzzentrierte Methode
umfasst einen ergebnisorientierten Ansatz mit prozessorientierten Anteilen, bei dem der Patient ausgewählte Techniken und Tätigkeiten ausführt, um verloren gegangene oder nicht vorhandene Fähigkeiten zu erlernen oder zu üben.
Bei der interaktionellen Methode
handelt es sich um ein überwiegend prozessorientiertes Gruppenangebot, das auch ergebnisorientierte Anteile haben kann. Dabei steht die Auseinandersetzung der Gruppenmitglieder miteinander im Vordergrund.
Die ausdruckszentrierte Methode
beinhaltet einen prozessorientierten Ansatz, bei dem der Patient über kreativ zu gestaltende Angebote, zur Auseinandersetzung mit seinen Gefühlen, Wünschen und Strebungen angeregt wird. Eine Behandlung bei psychischen Störungen ist auch angezeigt, um bei der Verarbeitung eines schwerwiegenden Krankheitsverlaufes zu helfen oder den praktischen Umgang mit einer bleibenden schweren Schädigung zu verbessern.
